43.Jg., Nr.4, S.8, 25.Januar 2008

Nicht nur passive Spannungsüberträger

Triggern auch Faszien den Rückenschmerz?

ULM – An der Volkskrankheit Rückenschmerz sind möglicherweise Faszien ursächlich beteiligt. Letztere sind nach neuen Erkenntnissen mehr als passive Spannungsüberträger. Hieraus könnten sich therapeutische Konsequenzen ergeben.

Menschliche Faszien beherbergen Myofibroblasten, in hoher Dichte vor allem in der Lumbodorsalfaszie im Bereich des unteren Rückens. Wie die Forschergruppe um Dr. Robert Schleip von der Abteilung für Angewandte Physiologie und Dr. Werner Klingler von der Abteilung für Anästhesie der Universität Ulm in Versuchen mit Faszienpräparaten feststellte, ließen sich Kontraktionen der vorgespannten Gewebe durch Zugabe verschiedener Pharmaka (wie z.B. dem Antihistaminikum Mepyramin oder Oxytocin) erreichen. Gab man der Versuchslösung Stickstoffmonoxid-( NO-)Donatoren zu, führte dies zur Relaxation der Faszien. Sich aktiv kontrahierende Faszien können die muskuloskelettale Biomechanik beeinflussen, erklärte Dr. Schleip im Gespräch mit Medical Tribune. Hieraus könnten sich neue Ansätze z.B. bei der Therapie des Rückenschmerzes, der Fibromyalgie oder anderen muskuloskelettalen Erkrankungen ergeben.

Neue Ansätze für die Therapie

Die Kontraktion von Faszien ist den Studien zufolge nicht nur über Botenstoffe, sondern auch über mechanische Stimulation auslösbar. Außerdem bewegen sich Faszien nicht im Sekunden- oder Minutentakt, sondern eher in Zeiträumen von mehreren Stunden, wie Dr. Schleip berichtete. Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse lassen sich in Zukunft Therapieformen wie Osteopathie, Rolfing oder myofasziale Release-Methoden gegen chronische Schmerzprobleme eventuell erfolgreich einsetzen, hoffen die Forscher.
SK

 
Mit freundlicher Genehmigung der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH, Wiesbaden